Webdesign
Website-Texte, die Kunden zum Anrufen bringen
Stand: Oktober 2026 · von Franz Denzler · 3 Min. Lesezeit ·
Gute Texte sind kurz, klar und kundennah. Diese sieben Regeln machen den Unterschied.
Besucher Ihrer Website haben wenig Zeit. Sie wollen binnen Sekunden wissen: Bin ich hier richtig, und wie erreiche ich Sie? Gute Texte beantworten das sofort. Diese Regeln stützen sich auf Usability-Forschung, Hinweise von Google zu hilfreichen Inhalten und das Wettbewerbsrecht.
1. Besucher überfliegen, sie lesen nicht
Die Usability-Forscher der Nielsen Norman Group fanden in einer Studie, dass 79 Prozent der Testnutzer neue Seiten nur überflogen und lediglich 16 Prozent sie Wort für Wort lasen. Schreiben Sie deshalb so, dass auch das Überfliegen funktioniert:
- Beginnen Sie mit der Kernaussage, Details folgen danach.
- Nutzen Sie aussagekräftige Zwischenüberschriften statt witziger Wortspiele.
- Setzen Sie Aufzählungen für Leistungen und Abläufe ein.
- Pro Absatz nur ein Gedanke.
- Heben Sie wenige Schlüsselwörter hervor, nicht ganze Sätze.
2. Die erste Zeile: Wer, was, wo
- Sagen Sie sofort, was Sie anbieten und für wen. Beispiel: „Schreinerei in Kaufbeuren: Küchen und Treppen nach Maß.“
- Nennen Sie Ort und Einzugsgebiet, aber nur Orte, in denen Sie tatsächlich arbeiten.
- Zeigen Sie Telefonnummer und Kontaktweg gut sichtbar, nicht erst auf der letzten Seite.
3. Verständlich schreiben
Die FernUniversität Hagen empfiehlt in ihren Redaktionsleitlinien kurze Sätze nach dem Muster „Wer tut was?“, die Aktivform statt des Passivs und positive statt verneinter Formulierungen. Ein einfacher Test: Lesen Sie den Satz laut vor. Müssen Sie mittendrin Luft holen, ist er zu lang.
- Statt „Es wird um Terminvereinbarung gebeten“ besser „Rufen Sie uns an und vereinbaren Sie einen Termin.“
- Erklären Sie Fachwörter kurz oder ersetzen Sie sie.
- Entscheiden Sie sich bewusst für „Sie“ oder „du“ und bleiben Sie dabei.
4. Nutzen vor Technik, sachlich statt übertrieben
Kunden interessiert, was sie von Ihrer Leistung haben. Schreiben Sie „Ihre Küche bleibt auch nach Jahren leicht zu pflegen“, wenn das stimmt, statt eine Materialliste aufzuzählen. Die Nielsen Norman Group stellte fest, dass übertriebene Werbesprache Besucher abschreckt und die Glaubwürdigkeit mindert. Sachliche, konkrete Aussagen wirken besser.
Und Google? Der Suchmaschinenanbieter betont in seiner Dokumentation, dass Inhalte vor allem Menschen helfen sollen und nicht für Suchmaschinen gebaut werden sollten. Gute Inhalte zeigen laut Google erkennbar, wer dahintersteht und welche Erfahrung diese Person mitbringt. Eine Garantie für Platzierungen gibt es nicht.
5. Nur schreiben, was stimmt
Konkrete Zahlen überzeugen, aber nur wahre. Nach § 5 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) sind unwahre oder zur Täuschung geeignete Angaben irreführend. Das gilt ausdrücklich auch für Angaben zu Qualifikation, Mitgliedschaften oder Auszeichnungen. Behaupten Sie also nur, was Sie belegen können. Orientierung, keine Rechtsberatung: Bei Unsicherheit hilft Ihre IHK oder ein Rechtsanwalt.
6. Eine klare Handlungsaufforderung
Sagen Sie Besuchern, was sie als Nächstes tun sollen: „Jetzt Termin vereinbaren: Ihre Telefonnummer“ führt eher zum Ziel als ein stilles „Kontakt“. Platzieren Sie sie am Seitenanfang und am Ende.
Checkliste vor dem Veröffentlichen
- Lassen Sie eine fachfremde Person die Startseite lesen. Kann sie nach zehn Sekunden sagen, was Sie anbieten?
- Prüfen Sie jede Überschrift: Sagt sie, worum es geht?
- Streichen Sie jeden Satz, der auch bei der Konkurrenz stehen könnte.
- Öffnen Sie die Seite auf dem Handy. Sind Telefonnummer und Anfahrt ohne Suchen zu finden?
- Kontrollieren Sie alle Angaben zu Preisen, Zeiten und Leistungen auf Richtigkeit und Aktualität.
Typische Fehler
- Floskeln wie „Qualität steht bei uns an erster Stelle“, die jeder Betrieb schreiben könnte.
- Nur Selbstlob, aber keine Antwort auf die Probleme der Kunden.
- Lange Absätze ohne Überschriften, besonders auf dem Handy.
- Versteckte Kontaktdaten.
- Unbelegte Superlative wie „der Beste der Region“.
Quellen
- Nielsen Norman Group: How Users Read on the Web
- Google Search Central: Hilfreiche, vertrauenswürdige, nutzerorientierte Inhalte erstellen
- FernUniversität Hagen: Tipps fürs Schreiben und Gestalten von Webtexten
- § 5 UWG: Irreführende geschäftliche Handlungen

